Erfahrungsbericht Oberflächenbeschichter

von Jan Steinmann

Als ich in der Oberstufe am Tag der offenen Tür ein Galvanik-Experiment vorstellte, sprach mich ein Besucher der Schule an, ob ich mir das nicht als Beruf vorstellen könnte. Es war ein Mitarbeiter von Kesseböhmer, der sich unsere Schule mit seinen Kindern ansah. Ich war erstaunt, dass sich ein so großes Unternehmen in meiner Region mit Galvanik beschäftigt.

Da die wenigsten Menschen wissen, was in einer Galvanik passiert, erkläre ich das kurz vorab. Um es ganz einfach zu sagen: In einer Galvanik werden Gegenstände elektrochemisch mit Metall beschichtet, deshalb auch die Berufsbezeichnung Oberflächenbeschichter. Früher wurde dieser Beruf als Galvaniseur bezeichnet, denn der Beschichtungsvorgang findet in einem Tauchbad, der „galvanischen Zelle“ statt. Allerdings wird bei der Beschichtung ein Gegenstand nicht mit Pulver besprüht oder in einen Farbtopf getaucht. Vielmehr geht es in der Galvanik darum, das anzubringende Metall wie Kupfer, Nickel, Chrom oder Gold unter Zuhilfenahme des elektrischen Stroms in speziellen Tauchbädern aufzubringen.

Kesseböhmer besitzt europaweit eine der größten Galvanikanlagen. In unseren riesigen Anlagen beschichte ich unsere Produkte mit den unterschiedlichsten Metallen.

Jan SteinmannOberflächenbeschichter

Damit wir eine einwandfreie Qualität sicherstellen können, wird jedes Produkt in einer festgelegten Reihenfolge in diverse Becken mit unterschiedlichem Inhalt, wie z.B. Kupfer, Nickel etc., getaucht. Meine Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass die pH-Werte in den Becken immer den richtigen Wert aufweisen und die Füllmengen stimmen. Spätestens jetzt könnt ihr euch vorstellen, dass mein Ausbildungsberuf sehr viel mit Chemie zu tun hat.

In der Schule fand ich es immer sehr schade, dass Chemie oft nur theoretisch behandelt wird. Die praktische Seite von Chemie bleibt dabei meist verborgen. In meinem Ausbildungsberuf ist das anders. Hier lerne ich chemische Grundlagen und kann diese zugleich in der Galvanik in der Praxis erleben. Hier sieht man in den großen Becken Chemie in Aktion. Natürlich ist es bei der Arbeit mit den unterschiedlichen Stoffen sehr wichtig, immer aufmerksam und gewissenhaft zu sein. Auch die Sicherheitsmaßnahmen müssen immer und überall eingehalten werden. Deshalb ist die Galvanik bei Kesseböhmer auch nicht für jeden frei zugänglich.

Das besondere an meinem Ausbildungsberuf ist außerdem, dass der Berufsschulunterricht blockweise in Solingen stattfindet. Dann bin ich für je 6 Wochen vor Ort, kann mich im Labor an einer Kleingalvanik ausprobieren und mich vollkommen der Theorie widmen. Während dieser Zeit wohne ich mit anderen Mitschülern in einer WG und genieße somit phasenweise das selbständige Leben, ähnlich wie es vielleicht Studenten tun. Kesseböhmer zahlt für mich Fahrt und Unterkunft. Ich muss lediglich, wie Zuhause auch, den Kühlschrank selbst befüllen.

Dass meine Ausbildung bei Kesseböhmer so viel Abwechslung mit sich bringt und ich viel selbstständig arbeiten darf, finde ich richtig super. Wenn ich dann am Ende des Tages sehe, was ich geschafft habe und unsere fertigen Produkte unter den Scheinwerfern glänzen, dann bin ich schon ziemlich stolz.